Abend der Nachhaltigkeit

Basar der Macher und Möglichkeiten im Ratssaal

Mitmachzentrale veranstaltete am 16.10. einen „Abend der Nachhaltigkeit“

„Meine Vision ist, dass in fünf Jahren die Mitmachzentrale im „Hirsch“ eine etablierte Einrichtung ist und sich die Bürgerprojekte selbst organisieren!“
„Vegan ist viel mehr als eine Essgewohnheit!“
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“
“Ich habe kein Auto und kein Handy und komme gut damit klar!“ –
Stimmen aus einer nicht alltäglichen Veranstaltung. Man mochte meinen, die Gerlinger hätten den Ratssaal erobert. Aus der Gegend des sonst vom Bürgermeister eingenommenen Platzes drang Hühnergegacker, Düfte veganen Essens durchzogen den Raum. Über 100 Gäste umringten die Stände von Weltladen, lokaler Agenda, Stadtmobil, Bauer Maisch und der Mitmachzentrale und ließen Produkte, Initiativen und Argumente zum nachhaltigen Leben auf sich wirken.

Den globalen Touch verlieh dem Ganzen eine Rollup-Dokumentation der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die zeigte, dass wir Gerlinger auf diesem Gebiet mit Menschen auf der ganzen Welt an einem Strang ziehen.
Das Gegacker wäre von weit unverfänglicher Stelle erklungen, wenn nicht kurz vor der Veranstaltung die Stadthalle wegen Wasserschadens geschlossen worden und damit das dortige Foyer als eigentlich geplanter Schauplatz des Nachhaltigkeitsabends ausgefallen wäre. Unbürokratisch bot die Stadt den Ratssaal als – übrigens perfekt passende – Ausweichfläche an. Auf der Leinwand hinter dem Bürgermeisterplatz machten die zu einem Endlos-Trailer gehörenden Hühner nun einem Videofilm Platz: Marianella Muñoz, peruanische Journalistin, Mitmacherin im „Hirsch“ und Initiatorin dieses Nachhaltigkeitsabends dokumentierte darin den kurzen und stürmischen Werdegang der Mitmachzentrale vom abgewirtschafteten Pizzalokal zum brummenden „Social Hub“ von Gerlingen. „Mitmachzentralen“-Chef Uli Sailer zeigte sich in seinen anschließenden Begrüßungsworten begeistert sowohl von der Vielfalt des Produkt- und Informationsangebots an den Ständen als auch vom regen Zuspruch der Gerlinger BürgerInnen zu diesem Abend. Noch deutlichere Worte hierzu fand Andreas Schröder, der als Vertreter der landesweiten Initiative „Meine. Deine. Eine Welt“ einen symbolischen Staffelstab an Sailer überreichte: Gerlingen könnten stolz auf sich sein, dass man zu einem solchen Anlass ein so zahlreiches und interessiertes Publikum zusammen bekomme, in Stuttgart habe er bei vergleichbaren Gelegenheiten schon vor 10 Leuten gesprochen… Die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit in Baden-Württemberg sponsert diese Initiative seit 2006 zum 8. Mal und förderte auch die heutige Veranstaltung.
Musik der Gerlinger Nachwuchsband „Giants in the Back Seat“ leitete über zum abschließenden Höhepunkt dieses bemerkenswerten Abends: Tom Ferraz Nagl vom EPIZ, dem Entwicklungspädagogischen Informationszentrum in Reutlingen, ist nicht nur ein ausgewiesener Fachmann in Fragen der Nachhaltigkeit; es zeigte sich, dass er auch ausgeprägte Moderationsfähigkeiten besitzt. Nach einem Impulsreferat schaffte er es mit leichter Hand, eine lebhafte und bisweilen auch durchaus kontroverse Diskussion über Fragen alternativer und nachhaltiger Lebensführung sowohl zu stimulieren, oft aber auch von der emotionalen auf die Sachebene zu führen. Begeistert ließen sich die GerlingerInnen dabei auf das „Fishbowl“- Konzept ein, bei dem jede/r die Chance hatte, an der Diskussion nicht nur von seinem Platz aus teilzunehmen, sondern sich für einige Zeit zu den Diskutanten auf dem Podium zu gesellen. So gelang es auch, dass zwei sehr wichtige Akteure für nachhaltige Entwicklung zu Wort kommen konnten, nämlich Veganer einerseits und Konsumenten/Produzenten von Fleisch- und Milchprodukten andererseits. Beide Gruppen präsentierten ihre Ansichten gemeinsam auf dem Podium, und es war uns allen klar, dass unsere Gerlinger Produzenten lobenswerte Arbeit für eine nachhaltige Landwirtschaft und Viehzucht leisten und dass junge Gerlinger Veganer Recht haben, wenn sie uns auffordern, nicht jeden Tag Fleisch zu essen, um Tiermissbrauch durch die Lebensmittel-Großindustrie zu vermeiden.
Und immer wieder griff Ferraz Nagl mit einem Schmunzeln ein, wenn ein Beitrag mit den Worten begann: „ man sollte mal….“, oder „kann nicht mal jemand…“. Nein, so sein Mantra: „Ich werde“, „wir wollen“ – sich selbst in die Pflicht zu nehmen, anstatt die Problemlösung auf andere zu verlagern, diese Haltung legte er den GerlingerInnen dringlich nahe. Und diese Atmosphäre des „Wir packen’s gemeinsam an“ beherrschte dann auch die anschließend in kleineren Kreisen oft noch lange fortgesetzten Gespräche. Als Fazit bleibt: (1) Gerlingen ist mit Schwung auf dem Weg in Richtung einer nachhaltigeren Lebensweise. (2) Wir sind alle gemeinsam unterwegs. (3) Es lohnt sich, auf diesem Weg gelegentlich bei den Ausstellern des heutigen Abends Station zu machen, so auch im „Hirsch“, wo die Mitmachzentrale die Arbeit an diesem Thema engagiert fortsetzen wird.
Marianella Muñoz, Andreas Käde

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